Friedensbewegung

Aus zeitgeschichte
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Friedensbewegung der 80er Jahre

Synonym verwendete Begriffe: Friedensinitiative, Friedensdienst, Friedenskooperative, Friedensarbeit

Begründung für die Begriffswahl:

Friedensbewegung als u.a. ausschlaggebend für den Demokratisierungsprozess der BRD, da es breite zivile Kreise beeinflusst und mit in den Friedensprozess und die Sicherung des Friedens einbezieht.

Beginne in den 50er, 60er und 70er Jahren

Nachdem die BRD 1954 der NATO beigetreten war, endete die damalige antimilitaristische Bewegung aller Teile der Gesellschaft gegen die Wiederaufrüstung. Die sehr heterogenen Motivationen konnten nichts erreichen, da die Wiederbewaffnung in der Eskalation des Kalten Krieges durchgesetzt wurde. Dies war jedoch eine erstmalige breite Diskussion über Militär und Bewaffnung nach dem Krieg. Obwohl einige Gruppen zivile und gewaltfreie Widerstandsaktionen durchgeführt wurden, trafen jene auf starke staatliche Gegengewalt. In der zweiten Hälfte der 50er Jahre wurde dann in Zusammenarbeit der SPD, Gewerkschaften und evangelischer Kirche gezielt gegen Atomwaffen protestiert. Dieselben Akteure der vorherigen Phase erreichten durch die Konzentration auf die atomare Bedrohung eine breite Diskussion. Weitgehend wurde dies politisch und finanziell von der SPD organisiert, 1959 jedoch bereits wieder abgewürgt aufgrund politischer Strategie gegenüber der Konservativen, es folgt also keine Durchsetzung der vorgenommenen Ziele. Die öffentliche Diskussion über Atomwaffen erfasste nichtsdestotrotz einen großen Teil der deutschen Gesellschaft, was eine zivile Mobilisierung bewirkte. Die Formen blieben bestimmt durch Großorganisationen traditionell und wurden von einzelnen unabhängigen Personen aus Anti-Atom-Komitees betrieben. Mit dem Ostermarsch in 1960 von pazifistischen Gruppen entwickelte sich später die bundesweite außerparlamentarische Opposition. Zunächst aber bezeichneten sie sich als „Atomwaffengegner“ „in Ost und West“ und in den späten 60er Jahren „Kampagne für Demokratie und Abrüstung“. Diese Bewegung entwickelte sich zu einem Bündnis aus unterschiedlichen sozialen und politischen Milieus und war von keiner bundesdeutschen Partei oder Organisation abhängig. Gleichzeitig bildeten sich Netze von lokalen Gruppen. Die Forderungen griffen alte Argumente gegen Atomwaffen auf und veränderten die Kampagne zu einer anti-militaristischen und pazifistischen Bewegung, die immer weitere Beereiche um die Demokratie einbezog. Danach folgte die Aufgreifung der politischen Geschehnisse um Vietnam durch die Studentenbewegungen bis hin zum Abzug der amerikanischen Truppen aus Vietnam. Auch hier wurden die gesetzten Ziele nicht erreicht oder die politischen Krisen der Zeit( Kubakrise, Abschreckungspolitik) zu entspannen. Die Vietnam-Kampagnen waren allerdings wichtig weltweite Proteste, die die USA-Politik beeinflussen konnten. Trotzdem konnte die Friedensbewegung nur bedingt zu Ost-West-Gesprächen beitragen. Dennoch hatte sie eine breite Öffentlichkeit mit ihrer Diskussion erfasst und bei vielen Menschen eine friedenspolitische Mobilisierung in Gang gesetzt. Vielfältige Formen der Demonstration wurden entwickelt und in die Friedensarbeit „Gruppengeselligkeit“ gebracht.

Politischer Hintergrund der 80er Jahre

Die politischen Umstände wurden durch die misstrauenden, und immer auf die Offensive der anderen Seite fürchtenden Verhältnisses von UdSSR und den USA bestimmt. Schwäche zu zeigen, indem man eine neue Entspannungspolitik betrieb, wurde auf beiden Seiten kritisiert.

Der endlose Rüstungswettlauf zwischen NATO und Warschauer Pakt führte 1979 zum NATO-Doppelbeschluss von aufgrund der bedrohlichen Stationierung sowjetischer Raketen in den 70ern. Darin wird von der Sowjetunion der Abzug jener Raketen gefordert, wonach auch der Westen nicht nachrüsten würde. Dieser Beschluss stößt bei der westdeutschen Bevölkerung auf Widerstand mit einer Demonstration in Bonn von 300.000 Bürgern.

Initiativen und Gruppen der 80er Jahre in der BRD

Beide deutsche Staaten sind von dem atomaren Konflikt an erster Stelle betroffen und so stößt die Kampagne der Friedensbewegung auf großen Anklang. In der BRD wird sie von den Grünen, kirchlichen und gewerkschaftlichen Gruppen und ebenso von Teilen der SPD unterstützt. Besondere öffentliche Wirkung erzielte die Friedensbewegung mit den Demonstrationen in Bonn zu Beginn der 80er Jahre, an denen viele Menschen teilnahmen. Ebenso 1983 zur Durchführung des NATO-Doppelbeschlusses, also der Stationierung von Atomraketen in Deutschland, wurde durch die Friedensbewegung in einer Aktionswoche verschiedene kreative Wege der friedlichen Blockade und Demonstration veranstaltet.

Die Gruppen entwickelten und verbanden sich mit heterogenen Interessen Als Beispiel dient Eva Quistorps Beschreibung ihrer Gruppe der Friedensbewegung, die sich aus KPD-Orientierten Personen, Mitwirkende der Aktion Sühnezeichen und einigen Christdemokraten zusammensetzte. So sei die Friedensbewegung gegen die Nachrüstung auf einer viel breiteren Basis als die ursprüngliche Anti-Atom-Bewegung entstanden. Daraus entstand das Interesse die Öffentlichkeit über Atomwaffen europaweit zu informieren und eine breitere Bewegung zu schaffen. Diese Bestrebung führte dazu, dass man der eigene Fokus der Friedensbewegung neu und verstärkt auf die Einheit Deutschlands und Europas richtet. Im Gegensatz zu der ‚ „Bewegungsform“ Gewerkschaft’ und der ‚ „Buergerinitiativen“ ’ wird der Friedensbewegung zugesprochen, eine neue soziale Bewegung zu sein, welche die Probleme alle Buerger gleichermaßen betrifft, während die beiden erst genannten sich mit Arbeit und Kapital oder regionalen Problemen der Umwelt, Kultur und Sozialpolitik beschäftigen. Die Friedensbewegung hat einen moralisch-politischen Ausgangspunkt mit ziemlich allgemeinen Zielen, nämlich eine Welt ohne Krieg und Waffen zu schaffen, um das Leid abzuwenden und Gewalt insgesamt zu minimieren. Außerdem sucht die Friedensbewegung „Regierungshandeln“ zu beeinflussen, was auch auf internationale Regime hinausgeht und schnelles Reagieren auf aktuelle Situationen erfordert. Die Themen sind einerseits also der ‚großen Politik’ zugeordnet, also Sicherheits- und Verteidigungspolitik und der Weltpolitik allgemein. Auf der anderen Seite werden auch tagespolitische Themen nicht vernachlässigt. Durch das Aufgreifen von aktuellen Fragen wird die einzige Möglichkeit wahrgenommen sich öffentlich Gehör zu verschaffen. Die Aufgaben der Friedensbewegung sind auch deswegen so weit gefächert wegen der heterogenen Struktur der Mitglieder und der Vielfalt an bundesweiten Organisationen. Politische Wirkung wird vor allem durch parlamentarische Einwirkung sowie durch Medien versucht zu erzielen. Die verstreuten regionalen Friedensinitiativen jedoch organisieren sich basisdemokratisch in Aktivitäten der beteiligten „Aktivisten“. Mehrere Millionen von Menschen demonstrierten innerhalb der Friedensbewegung und das meinte nicht nur politisch erfahrene Parteianhänger oder Überzeugte der Grünen oder der Kommunistischen Partei. Durch die immer noch brisante und aktuelle Präsenz der Atombomben der Kriegsereignisse, erreichte die Bewegung viele Buerger die sich eine sichere und friedliche Zukunft wünschten. Dabei darf aber nicht der Einfluss und das Engagement von einzelnen Politikern, Aktivisten und selbst Künstlern bzw. Musikern für die Breitenwirkung der Friedensbewegung unterschätzt werden.

Friedensbewegungen in der DDR

An dem betonten “Friedensstaat“ der DDR wurde auch während der Zunahme von militärischem Wettrüsten festgehalten. Die SED führte ebenso „die Einheit von Frieden und Sozialismus“ fort und lastete jegliche militärische Aggression und Bedrohung dem Westen an. Trotz der propagierten Entspannungspolitik stockten die Verhandlungen zwischen Ost und West und dies endete mit dem NATO-Beschluss auf westlicher Seite. Durch die Nachrüstungsankündigungen aus dem Westen wuchs auch in der Bevölkerung der DDR die Besorgnis über einen Atomkrieg. Die offizielle Politik der SED machte die NS-Vergangenheit für die kriegerische Bedrohung wegen der immer noch vorhandenen militärischen Traditionen verantwortlich. Der Bund der evangelischen Kirchen in der DDR bot mit ihrem Referat „Friedensfragen“ ein Konzept für eine „Erziehung zum Frieden“ und auch den Menschen als praktische Richtlinie für Friedenshandeln gab. Das Papier antwortete auf Grundsatzfragen der Friedensarbeit, es fehlte zwar an konkreter Aktionsanweisung, wirkte aber als Ermutigung Zeichen für den Frieden zu setzen. Ein weiteres wichtiges von den Friedenaktivisten rezitiertes Dokument war das Pazifismus-Papier von Garstecki. Es befasst sich mit innenpolitischen Konflikten in der DDR und daher für eine Diskussion in der Friedensbewegung wichtig, auch weil es politisch eindeutigere Argumente lieferte als die „Friedensfragen“ des BEK. Der Alleinvertretungsanspruch des Staates in Friedensfragen wurde darin zurückgewiesen und der kirchliche Anspruch auf politisches Wirken zu verteidigen. Diese politische Herausforderung der Gesellschaft durch den Pazifismus trugen die Kirchen aber dann doch nicht mit. In der schwierigen Auseinandersetzung mit der SED-Führung wurde der Pazifismus-Begriff sehr abgeschwächt und die verantwortethische Begründung musste bis um Ende der DDR verteidigt werden. Die Friedensbewegung wollte nicht nur lediglich Engagement zur Verhinderung eines Krieges zeigen, sondern auch gesellschaftspolitische Veränderungen in der DDR erreichen, also die innenpolitischen Ursachen der Friedensgefährdung zu überwinden, d.h. Neutralität nach außen und Demokratisierung im Inneren. Innerhalb den Kirchengemeinden bildeten sich „Friedensgruppen“ und Menschen die nicht einmal der Kirche angehörten, sahen die Kirchenräume angesichts der atomaren Bedrohung als „Schutzraum“ für Diskussion und Planung an. Der „Gewährung größerer Spielräume“ der Kirche durch die SED wird jene Entwicklung verdankt. Die Handlungsmöglichkeiten bezogen sich auf Friedensgebeten des „Friedenskreis“ und Feste der Jugendarbeit. Außerdem wurden die Kontakte verstärkt durch die Mitgliedschaft im „Friedenskern“, welche alle Gruppen für Minderheiten, Gerechtigkeit und Frieden vereinigte. Trotz Ansätzen zu Demonstrationen war die positive Wirkung in der DDR gering, da die staatliche Repression aufgrund fehlender Medien und weniger Aktivisten viel besser funktionierte als im Westen möglich sein würde. Dann versuchte man durch eigene Stellungnahmen auf die öffentliche Meinung in kirchlichen und auch staatlichen Institutionen zu wirken.

Wirkungsmacht der Friedensbewegung der 80er Jahre

Der größte Anstoß der Friedensbewegung liegt in der Bewusstseinsbildung, der in den 80er Jahren Ausdruck verliehen wurde. Mit der Kritik der atomaren Waffen war die Friedensbewegung ein wichtiger Bestandteil des Atomzeitalters und versuchte ihr Programm zu offizieller Atomkriegspolitik umzuformen. Von der isolierten Forderung der Abschaffung der Atomwaffen entwickelte sie sich zu einem größeren friedenspolitischem Konzept für die Außenpolitik. Trotz ihrer Wirkung stellte sich die Beziehung der Friedensbewegung insbesondere zur SPD und den Gewerkschaften als Problem dar, da jene sich traditionell als für die Friedensbewahrung zuständig fühlten und so eine vereinigte Arbeit für den Frieden mit den politischen Parteien zusammen nicht fruchtbar werden konnte. Für die Friedensbewegung war der “bedingungslose Pazifismus“ von großer Bedeutung , da dieser für die Breitenwirkung in der Gesellschaft bürgte. Die Rolle sozialer Bewegungen und der „Bewusstwerdungsprozesse“ jedoch scheinen „für die Beendigung des Kalten Krieges“ fast unbestritten.

Quellen

Neubert, Ehrhart: Geschichte der Opposition in der DDR 1949-1989, Ch. Links Verlag, 1998.

Der kalte Krieg – Vorspiel zum Frieden?: Hg. von Arnold Sywottek, Lit-Verlag, Muenster, Hamburg 1994.

Die sozialen Bewegungen in Deutschland seit 1945: ein Handbuch: Hg. von Roland Roth und Dieter Rucht, Campus Verlag, 2008.

Das nukleare Jahrhundert: eine Zwischenbilanz: Hg. von Michael Salewski, Franz Steiner Verlag, 1998.

http://www.friedenskooperative.de/ff/ff01/4-61.htm

http://www.friedenskooperative.de/ff/ff05/6-67.htm

http://www.ag-friedensforschung.de/bewegung/friedensbewegung.html

http://www.youtube.com/watch?v=rScaurSa-4s

http://www.youtube.com/watch?v=eE_46zwAbro

http://www.hdg.de/lemo/html/DasGeteilteDeutschland/NeueHerausforderungen/Buergerbewegungen/friedensbewegung.html

http://www.youtube.com/watch?v=wj4uPOzGdy0

http://www.youtube.com/watch?v=qQPvluKOskI

Verfasser/in

Vera Johnston WS 2013/14