Hippies

Aus zeitgeschichte
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Der Begriff Hippie kommt aus dem Amerikanischen und bezeichnet die Anhänger einer betont antibürgerlichen und pazifistischen Lebensform die sich in der zweiten Hälfte der 1960er ausbildete. Englisch hippie von hip, zeitgemäß, modern.

Das Human Be-In Festival Januar 1967 in San Francisco leitete den "Summer of Love" (Sommer der Liebe) ein. Ausgehend von San Francisco, Kalifornien, genauer im Stadtteil Haight-Ashbury, verbreitet sich diese Bewegung in der ganzen Welt. Dieser Stadtteil war bei jungen Leuten wegen seiner preiswerten Wohnungen und der Nähe zur Universität beliebt und wurde von Musikern (Grateful Dead, Jefferson Airplane, Janis Joplin), Künstlern, Philosophen (Dr. Timothy Leary), Literaten und anderen Lebenskünstlern bevölkert. Als Vorläufer der Hippie-Bewegung gilt die Beat Generation der 1950er Jahre. Einige Vertreter der Beatgeneration wie der kalifornische Schriftsteller Allen Ginsberg gehörten später auch der Hippie-Generation an. Der Begriff Beatmusik für moderne Musik hielt sich bis in die 1970er Jahre.

Das Ziel der Hippies war eine "antiautoritäre und enthierarchisierte Welt- und Wertordnung ohne Klassenunterschiede, Leistungsnormen, Unterdrückung, Grausamkeit und Kriege. Ihr Blick richtete sich jedoch weniger auf ein anderes System als auf die Veränderung des einzelnen Menschen. Der Kapitalismus, so ihre zentrale Weltanschauung, hatte "nur die materielle Seite des Lebens entwickelt und Seele und Geist verloren. Alle Werte wurden ihres Inhalts entleert und erstarren in bloßer Rhetorik."

Als Symbole dienten Blumen (Flowerpower) und das Peace (Friedens)-Zeichen. Einer der Slogans lautete "Make love not war" in Anspielung auf den Vietnamkrieg der USA.

  • Bevorzugte Lebensform, die Kommune (Kommune 1 in München),
  • Sexuelle Revolution (freie Liebe, Anhänger des Sexualforschers Wilhelm Reich, Dr. Sommer und Oswald Kolle in Deutschland), Reisen in Länder wie Afghanistan, Indien (Goa, Gurus, Reise der Beatles) Mexiko.
  • Äußeres und Kleidungsstil, kreativ & bunt, lange Haare, Schlaghosen, selbstgemachte Kleidung (Batik), Anklänge indianischer, mexikanischer und vor allem asiatischer (insbesondere indische) Stile
  • Drogenexperimente (LSD, Haschisch, Timothy Leary)

In Deutschland wurde die Hippie Bewegung im Laufe der 68er populär. Wegen ihres Äußeren und ihrer alternativen Lebensweise und Ansichten wurden sie im konservativ geprägten Deutschland von der Presse und großen Teilen der Bevölkerung angefeindet. Sie waren anders als der Konsens. In einem Artikel in der "Zeit" von 1969 schreibt Werner Ross zur auswärtigen Kulturpolitik Deutschlands unter anderem: "[W]ir denken bei Kultur an Karajan, als Kulturträger sehen wir den sogenannten musischen Menschen, und es geht uns noch gegen den Strich, die Hippies ebenso dazuzurechnen wie Heidegger und Heißenbüttel, die Beatmusik ebenso wie Beethoven".

Oft wird als Ende der Hippie-Ära das Woodstockfestival 1968 und noch häufiger der Tod eines Zuschauers während eines Konzerts der Rolling Stones beim Altamont-Festival 1969 genannt. Viele Anhänger zerstörten sich selbst durch übermäßigen Drogenkonsum, ehemalige Hippies machten Karrieren in Wirtschaft und Politik. Frauen beklagen, dass sie allgemein in den 1968er eher als hübsches Beiwerk, wie zum Beispiel Uschi Obermeier, gesehen wurden, die gesamte Bewegung männlich geprägt war und auch bei den Hippies keine wirkliche Gleichberechtigung herrschte.

Es gab aber auch Menschen, die nach ihrer Zeit als Hippies weiterhin in soziale Bewegungen wie der Umwelt-, der AntiAtomkraft- oder der Frauenbewegung aktiv waren. Bis heute existieren weltweit Anhänger alternativer Lebensformen die sich als Hippies bezeichnen. Die Mode und Musik der Hippies erlebt immer wieder Revivals, Literatur und Film beschäftigen sich mit der Generation der Hippies und deren Kindern.

Literaturverzeichnis

  • Duden - Das Fremdwörterbuch, 10. Auflage, Mannheim 2010
  • [1], Artikel "Die Hippies" von Klaus Farin, 25.02.2010
  • Walter Hollstein, Der Untergrund, Zur Soziologie jugendlicher Protestbewegungen, Neuwied/Berlin, 1969
  • Walter Hollstein, Die Gegengesellschaft, Reinbek (4., erweiterte Auflage), 1981
  • [2], Artikel und Zeitzeugeninterviews zum Thema "Die 68er Bewegung"
  • [3], Artikel "Die dritte Säule" von Werner Ross, 21.11.1969
  • "Die Counterculture - Jugendkultur in den 60'ern", Birgit Hutzinger, Universität Salzburg, Institut für Geschichte, Wintersemester 1996/97

Verfasser/in

Isabel Bubel / WS 11/12