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Aktuelle Version vom 16. März 2017, 17:29 Uhr

Autorin: Dr. Kathrin Loer (kathrin.loer@fernuni-hagen.de)

Kontext

Das politikwissenschaftliche Studium lebt von fachlicher Textlektüre. Die fachwissenschaftliche Diskussion, an der sich Studierende mündlich und schriftlich rege beteiligen sollen, unterscheidet sich von alltäglichen (politischen) Diskussionen: Die fachwissenschaftliche Diskussion stützt sich auf theoretische und empirische Forschung, die in Texten erschlossen werden muss. Sie stützt sich nicht auf Zeitungslektüre oder das Verfolgen von Nachrichten über unterschiedliche Medien und Kanäle. Dies kann eine Ergänzung sein, um das alltägliche politische Geschehen zu verfolgen, im Mittelpunkt steht jedoch die Lektüre von Fachtexten. Das Verständnis politikwissenschaftlicher Themen und Fragestellungen setzt daher voraus, dass sich Studierende ein breites Spektrum an Fachtexten als Grundlage erarbeiten und sich mit diesen und mit weiterführenden Texten kritisch auseinandersetzen.

Problem

In Lehrevaluationen heißt es häufig „Die Texte sind zu lang“ oder „Literatur teilweise sehr lang“ oder „Die Texte sind schwierig“. Das verminderte oder fehlende Textverständnis kann daran liegen, dass die Textauswahl und/oder Textmenge für die Lerngruppe nicht geeignet ist. Studierende, zumal an einer Fernuniversität, haben für ihre unterschiedlichen Aufgaben im Studium nur ein begrenztes Zeitbudget zur Verfügung. Die Voraussetzungen der Studierenden sind dabei durchaus heterogen: Je nachdem, wie trainiert sie jeweils im Umgang mit größeren Textmengen und anspruchsvoller Fachlektüre sind, und wie gut sie bereits mit dem inhaltlichen Thema vertraut sind, unterscheidet sich auch die Anzahl an Arbeitsstunden, die sie für die Lektüre aufwenden müssen.

Lösung

Wesentlich zur Lösung des Leseproblems sind die sorgfältige Auswahl von Texten und die Zusammenstellung des Textpakets für eine Lehrveranstaltung. Dabei sollte auch berücksichtigt werden, wieviel Zeit realistisch für das Lesen der einzelnen Texte einzuplanen ist, und wo die Belastungsgrenze der Studierenden liegt („Workload“ für eine Veranstaltung). Darüber hinaus lohnt es sich, eine Einordnung der Lesefreundlichkeit von Texten vorzunehmen und diese bei der Textzusammenstellung zu berücksichtigen. Gerade in den Geistes- und Sozialwissenschaften gibt es viele Texte, die auch mit hoher Konzentrationsfähigkeit, guten Vorkenntnissen und geeigneten Lesetechniken nur schwierig zu verstehen sind und einen hohen Zeitaufwand bedeuten. Sofern es das Curriculum einer Veranstaltung zulässt, sollte auf solche Texte verzichtet werden, oder sollten sie erst im späteren Verlauf des Semesters (Studiums) eingesetzt werden. Hilfreich kann es sein, für die Studierenden einen Lese- oder Lektüreplan aufzustellen, in dem einzelne Lesepakete formuliert sind und das Zeitbudget für jede Leseaufgabe abgeschätzt wird. Dabei empfiehlt es sich, zunächst „machbare“ Pakete zu schnüren und die Leseaufgaben in Umfang und Anspruch im Laufe der Zeit zu steigern. Die Bewältigung der Lesepakete kann in den einzelnen Seminarstunden mit den Erfahrungen der Studierenden abgeglichen werden, so dass sukzessive ein gutes Bild darüber entsteht, welche Texte für Studierende zügig und welche aufwendig in der Bearbeitung sind. Prinzipiell muss ein Lehrender ein gewisses Maß an Übung und Gespür besitzen, um den Zeitbedarf für einzelne Leseeinheiten passend einschätzen zu können. Dazu tragen Gespräch mit einzelnen Studierenden bei, ggf. hilft es auch, die eigene Studienzeit und den damaligen Zeitbedarf für Texte zu reflektieren.

Stolpersteine

In der Regel benötigen Erstsemester andere Zeitintervalle und können andere Lektürevolumina bewältigen als fortgeschrittene Studierende. Der Fortschritt der Studierenden kann – insbesondere an der Fernuniversität – auch bei scheinbar vergleichbaren Studierenden innerhalb einer Kohorte sehr heterogen sein. Die erfolgreiche Gestaltung von Lesepaketen hängt sowohl von der Kooperationsbereitschaft und Ehrlichkeit der Lerngruppe ab, die Rückmeldungen geben muss, als auch von der treffsicheren Mischung, die von Lerngruppe zu Lerngruppe unterschiedlich sein kann. Zu einem gewissen Anteil spielen individuelle Faktoren (intellektuell, organisatorisch) eine Rolle, die nicht vom Lehrenden beeinflusst werden können. Auch können die jeweils persönlichen Rahmenbedingungen beim Lesen einen großen Einfluss darauf haben, wie gut die Konzentration auf die Textarbeit gelingt. Dies hat auch Auswirkungen auf das benötigte Zeitbudget. Dies liegt selbstverständlich außerhalb des Bereichs, den die Lehrenden mitgestalten können.

Vorteile

Eine passende Textauswahl trägt zum Erfolg der Lehrveranstaltung bei, weil es die Studierenden motiviert, wenn sie realisieren, dass das Textvolumen zu bewältigen ist. Wenn dadurch die Lesebereitschaft und das Textverständnis steigt, können a) Inhalte mit bleibendem Effekt vermittelt werden und b) kann die Qualität der Diskussionen in der Lehrveranstaltung zunehmen.

Nachteile

Das passende Maß zu finden, hängt von vielen Faktoren ab. Es erfordert zudem einen zusätzlichen Aufwand, geeignete Texte nicht nur nach inhaltlichen, sondern auch auf Basis der beschriebenen Kriterien auszuwählen.

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