Referate in Online-Seminaren: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 10. Februar 2017, 12:57 Uhr

Autor: Nils Arne Brockmann (nils-arne.brockmann@fernuni-hagen.de)

Kontext

Eine wesentliche Schlüsselkompetenz, die im Rahmen eines sozialwissenschaftlichen Studiums vermittelt werden soll, ist die Fähigkeit, mündlich zu präsentieren. Jede Absolventin und jeder Absolvent der Sozialwissenschaften soll spätestens mit dem Abschluss des Studiums in der Lage sein, einen wissenschaftlichen mündlichen Vortrag strukturiert und rhetorisch ansprechend zu halten sowie ggf. unterstützend zu visualisieren (PowerPoint, Prezi etc.).

Problem

In Online-Seminaren gelten für mündliche Präsentationen zunächst die gleichen Herausforderungen wie in Präsenzseminaren. Darüber hinaus stellen Online-Seminare Präsentierende aber zusätzlich vor spezifische Hürden. So besteht, vergleichbar mit einer Radiomoderation, i. d. R. keine direkte Interaktion mit den Zuhörenden. Da Vortragende deshalb auch kein non-verbales Feedback (z. B. durch Blickkontakte) erhalten, entstehen leicht Verunsicherungen, inwieweit die präsentierten Inhalte die Zuhörenden tatsächlich auch erreichen. Zudem zeigt die Erfahrung, dass sowohl das Präsentieren als auch das Zuhören im virtuellen Raum ein erhöhtes Maß an Konzentration erfordern. Schließlich ist die Unterrichtssituation – wie in der virtuellen Lehre insgesamt – durch höhere Anonymität und geringere Verbindlichkeit geprägt, da die Lernenden sich im Regelfall nicht face-to-face bekannt sind.

Lösung

Zur Durchführung von Online-Seminaren empfiehlt es sich auf Software-Angebote zurückzugreifen, die vielfältige non-verbale Kommunikationskanäle bereitstellen und diese auch anzuwenden. Adobe Connect bspw. ermöglicht den Zuhörenden, Feedback durch Abstimmungen, Chats und Zustandsmeldungen zu geben. Die Anonymität muss des Weiteren nicht zwangsläufig ein Nachteil sein. So lassen sich Studierende im Anschluss an Präsentationen bspw. leichter ermutigen, Fragen zu stellen, wenn dies anonym an einem Whiteboard erfolgt. Gezielt eingesetzt kann Anonymität also dazu beitragen, Studierende zur Mitarbeit zu aktivieren. Um die Aufmerksamkeit der Zuhörenden nicht zu überlasten, ist ein zeitliches Limit von 10 bis 15 Minuten für Präsentationen anzuraten.

Stolpersteine

Der wesentliche Stolperstein bei mündlichen Online-Präsentationen ist die Technik. Sind Studierende etwa noch unerfahren mit dem angewandten Programm oder überprüfen sie ihre Ausrüstung (Headset, Webcam, Browser-Komptabilität) im Vorfeld nur unzureichend, können Verzögerungen im Seminarablauf die Folge sein. Technische Pannen (Probleme mit der Internet-Verbindung) können allerdings auch bei E-Learning-erfahrenen Studierenden und den Lehrenden selbst auftreten.

Vorteile

Die Studierenden erlernen mündliches Präsentieren unter erschwerten Bedingungen. Dies sollte gleichzeitig – und zwar in verstärktem Maße – auch ihre Präsentationskompetenzen in der Präsenzsituation verbessern. Zudem lassen sich die Sitzungen leicht aufzeichnen, sodass die Studierenden ihren eigenen Vortrag kritisch reflektieren können und nicht ausschließlich auf das Feedback von anderen angewiesen sind. Außerdem gewinnt das Präsentieren in einem Online-Format (z. B. in Videokonferenzen) zunehmend auch jenseits der Universität an Bedeutung. Bereits heute finden viele geschäftliche Präsentationen und Diskussionen über Videokonferenzen statt.

Nachteile

Die Zuhörenden befinden sich nicht im Blickfeld des Lehrenden. Insofern kann nur begrenzt überprüft werden, ob diese tatsächlich vor ihrem (mobilen) Endgerät sitzen. Darüber hinaus sind die Interventionsmöglichkeiten von Lehrenden während des Vortrags erschwert. Schalten Lehrende bspw. ihr Mikrofon und ihre Kamera an, um eine Anmerkung zu machen, kann dies von Vortragenden als sehr harter Eingriff in ihre Präsentation wahrgenommen werden.

Praxisbeispiel: Referate im Online-Seminar „Grundstrukturen der Verwaltung“

Das Institut für Politikwissenschaft der FernUni Hagen bietet in jedem Semester mindestens ein Online-Seminar an. Im Online-Seminar „Grundstrukturen der Verwaltung“ waren alle Studierenden aufgefordert, ein Kurzreferat (10-15 min) zu halten. In der Praxis hat es sich als nützlich erwiesen, Online-Seminare nicht ausschließlich über ein virtuelles Klassenzimmer (z. B. Adobe Connect) durchzuführen, sondern zusätzlich einen asynchronen Kommunikationsraum zu schaffen (z. B. Moodle). In der Vorbereitungs- bzw. Einführungsphase des Online-Seminars hinterlegte die Seminarleitung in Moodle Dokumente mit Erläuterungen zu den besonderen Anforderungen von Online-Vorträgen und entsprechende Hilfestellungen. Die Referatsvergabe nahm sie mittels eines Präferenzwahlsystems vor. Demzufolge baten die Lehrpersonen die Studierenden aus einem vorgegebenen Themenkatalog zwei bis drei Referatswünsche anzugeben. Im Anschluss daran ordneten sie die Referatsthemen – den Wunschangaben entsprechend – den Studierenden zu. Studierende, die keine Präferenz angaben, erhielten ein bis dahin nicht gewähltes oder unterbesetztes Thema. Meldeten sich zu viele Studierende für ein Thema, erfolgte die Auswahl im Losverfahren. Bei der Themenwahl lässt sich den Studierenden auch mehr Mitsprache einräumen, z. B. dass sie eigene Themenvorschläge einbringen. Allerdings erhöht sich der Koordinationsaufwand dadurch. Da die Seminarleitung auch Gruppenreferate einsetzte, richtete sie für die Studierenden in Moodle Gruppenforen ein, sodass sich diese bzgl. der Vorbereitungsarbeiten abstimmen konnten. Jeweils eine Woche vor Referatstermin mussten die Vortragenden ihre PowerPoint-Präsentation bei den Lehrenden einreichen. Diese Maßnahme erwies sich insbesondere im Online-Setting als nützlich, um im Vorfeld Verbindlichkeit herzustellen und zu überprüfen, ob geplante Vorträge auch tatsächlich stattfinden. Um den Studierenden zu zeigen, wie Online-Vorträge gestaltet werden können, hielten die Lehrenden zu Beginn des Seminars einen Einführungsvortrag. Wichtig dabei sind drei Aspekte:

  • ein Setting zu finden, in dem der Blick in Richtung Kamera geht (Notizen auf dem Schreibtisch sind deshalb zu vermeiden)
  • regelmäßig die Feedback-Funktionen (z. B. Abstimmungen) zu nutzen
  • Studierende zu ermutigen, (Zwischen-)Fragen über den Chat zu stellen.

Die Vortragenden erhielten die Aufforderung, sich an ihrem Vortragstermin bereits zehn Minuten vor Beginn der Sitzung einzuloggen, um ihre Technik (Mikrofon/Kamera) nochmals gesondert zu überprüfen. Zudem wies die Seminarleitung die Präsentierenden explizit darauf hin, die Vortragszeit zu beachten.

Im Anschluss an den Vortrag schalteten die Lehrenden stets ein Whiteboard frei, auf dem anonym Fragen gesammelt wurden, die die Vortragenden bzw. die Seminarleitung beantworteten. Es zeigte sich, dass es in diesem Setting insbesondere Studienanfänger/innen leichter fällt, Fragen zu stellen. Allerdings ergibt sich dabei schnell eine hierarchische Kommunikationssituation zwischen Studierenden und Lehrenden. Um offene Diskussionen anzuregen, erwartete die Seminarleitung von den Präsentierenden deshalb eine kontroverse These zu formulieren, die ebenfalls auf dem Whiteboard erschien. Auch wenn im Fallbeispiel darauf verzichtet wurde, bietet es sich zum Abschluss der Diskussion an, den Vortrag im Plenum kurz (ggfs. anhand zuvor aufgestellter Gütekriterien) zu reflektieren.

Nach jeder Sitzung stellte die Seminarleitung die Aufzeichnung und die PowerPoint-Folien in Moodle ein. Zudem schaltete sie ein Forum frei, in dem die Studierenden die Sitzungsinhalte weiterdiskutieren konnten.

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