Methodenbeispiel: Kritisches Lesen

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Autorin: Dr. Kathrin Loer (kathrin.loer@fernuni-hagen.de)

Inhalt der Methode

Bei dieser Methode versetzen sich die Studierende zum Lesen in die Rolle des/der kritischen Lesenden. Sie überprüfen den Gehalt des Textes mit kritischen Fragen, um anschließend in eigenen Worten eine Position zum Text zu formulieren. Die Methode ist als Anleitung für die Einzelarbeit formuliert. Sie kann zu Beginn des Semesters – oder einer Kurs- bzw. Moduleinheit – als allgemeine Anleitung zur Lektüre erklärt werden und sollte idealer Weise durch ein Merkblatt auch schriftlich vermittelt werden. Auf die Methode kann außerdem auch während des Seminars eingegangen werden. Beispielsweise kann es sich anbieten, die schriftlichen Leseresultate, die sich aus dem Arbeitsauftrag ergeben, als Teil einer Leistung in die Veranstaltung einzubauen (z.B. eine vorher festgelegte Anzahl an solchen Leseprodukten als Voraussetzung für die Vergabe von Leistungspunkten o.ä.).

Arbeitsauftrag an die Studierenden

Zunächst lesen Sie den Abstract (die Zusammenfassung), die Einführung und die Zwischenüberschriften. Schreiben Sie anschließend in eigenen Worten auf, welches Ziel der Text verfolgt. Notieren Sie außerdem wörtlich – soweit vorhanden – die Fragestellung, die der Autor/die Autorin beantworten möchte. Wenn es bereits in der Einleitung und/oder im Abstract erwähnt wird, dann halten Sie darüber hinaus auch die ausgewählten Methoden fest. Schauen Sie sich nun Ihre bisherigen Notizen an: Was erwarten Sie von dem Text? Versuchen Sie, soweit das bereits durch den eigenen Kenntnisstand möglich ist, verschiedene Antworten auf die Forschungsfrage zu notieren. Formulieren Sie einen kurzen Absatz über die Erwartungen, die Sie an den Text haben und leiten Sie daraus vier bis fünf kritische Fragen ab. Lesen Sie nun zügig – Absatz für Absatz – den Text und behalten Sie dabei Ihre Erwartungen / Fragen im Kopf. Zentral ist immer der erste Satz eines jeden Absatzes, versuchen Sie anschließend immer, das Lesetempo hoch zu halten. Notieren Sie jeweils nach zwei bis drei Absätzen in einem Satz (!) knapp die Aspekte, die zur Beantwortung der eingangs formulierten Forschungsfrage beitragen. Versuchen Sie weiterhin, zügig den Text zu lesen. Nach der gesamten Textlektüre vergleichen Sie die eingangs formulierten Erwartungen mit Ihrem Leseeindruck und notieren Sie Ihre Erkenntnisse. Dies kann zum Beispiel in Form einer Tabelle mit zwei Spalten geschehen, in denen jeweils aufgeführt wird, welche Erwartung wie erfüllt bzw. enttäuscht wurden. Beantworten Sie Ihre vier bis fünf kritischen Fragen, soweit dies möglich ist. Anschließend kann es hilfreich sein, einzelne der folgenden Sätze zu vervollständigen:

  • Der Text vertritt die Position, dass...
  • Der Inhalt bezieht sich konkret auf...
  • Im Text fehlen Informationen zu...
  • Ohne Erläuterung geht der Text davon aus, dass...
  • Überrascht stellt der Leser / die Leserin fest, dass...
  • Offen bleibt eine Erklärung, warum / inwieweit...
  • Entgegen der Aussage im Text, dass..., lässt sich vermuten, dass...
  • Es fehlen Hinweise darauf, warum...
  • Zum Textverständnis benötigt der Leser/die Leserin...

Versuchen Sie nun (evtl. unter Nutzung der vervollständigten Sätze), in einem kurzen Paragraph von vier bis fünf Sätzen den Inhalt des Textes zusammenzufassen und eine kritische Einordnung dazu zu formulieren.

Vorteile

Die Methode gibt konkrete Hilfen, um sich mit einem Text auseinanderzusetzen und dabei die bloße Reproduktion zu überwinden. Bereits vor der Lektüre sollen die Studierenden ermuntert werden, mit einer kritischen Brille zu lesen. Durch die Satzanfänge kann das eigenständige Formulieren erleichtert werden.

Nachteile

Kritisches Lesen erhöht (zunächst) den Zeitaufwand für die Studierenden, insbesondere wenn sie mit der Methode kaum vertraut sind. Es erfordert Durchhaltevermögen und das Vertrauen darin, dass mit konsequenter Übung der Zeitaufwand sinkt.

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Methodenbeispiel: Kritisches Lesen

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