Mündliche Präsentationen: Unterschied zwischen den Versionen

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Autor: Nils Arne Brockmann [mailto:nils-arne.brockmann@fernuni-hagen.de (nils-arne.brockmann@fernuni-hagen.de)]
 
Autor: Nils Arne Brockmann [mailto:nils-arne.brockmann@fernuni-hagen.de (nils-arne.brockmann@fernuni-hagen.de)]
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Version vom 10. Februar 2017, 12:15 Uhr

Autor: Nils Arne Brockmann (nils-arne.brockmann@fernuni-hagen.de)

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Kontext

Eine wesentliche Schlüsselkompetenz, die im Rahmen eines sozialwissenschaftlichen Studiums vermittelt werden soll, ist die Fähigkeit, mündlich zu präsentieren. Jede Absolventin und jeder Absolvent der Sozialwissenschaften soll spätestens mit dem Abschluss des Studiums in der Lage sein, einen wissenschaftlichen mündlichen Vortrag strukturiert und rhetorisch ansprechend zu halten sowie ggf. unterstützend zu visualisieren (PowerPoint, Prezi etc.).

Problem

Mit dem Einstieg ins Studium verfügen viele Studierende i. d. R. noch nicht über die Fähigkeit, eigenständig erarbeitetes Wissen strukturiert und ansprechend zu präsentieren. Dieser Umstand bewirkt, dass folgende Mängel in studentischen Vorträgen regelmäßig zu beobachten sind:

  • Präsentationen fehlt der rote Faden, d. h. Zusammenhänge zwischen Präsentationsfolien bzw. Teilabschnitten werden nur unzureichend erläutert („Dann komme ich mal zur nächsten Folie/zum nächstem Aspekt“).
  • Folien werden als Vortragsmanuskript zweckentfremdet, sodass sie mit Text überfrachtet sind.

Ungeachtet dessen beschränken sich viele Dozierende in ihrer Lehre ausschließlich auf die inhaltliche Dimension – möglicherweise auch deshalb, weil sie es in ihrer eigenen universitären Ausbildung nicht anders erlebten. Zudem dominieren in vielen Veranstaltungen noch immer Referatsformate. Die Vielfalt möglicher mündlicher Präsentationsformen gelangt so nur selten zur Anwendung. Schließlich sind die Möglichkeiten, mündliches Präsentieren vor Publikum einzuüben, im Fernstudium aufgrund der dezentralen Organisation zeitlich limitierter als in der Präsenzlehre.

Lösung

Es empfiehlt sich, in den ersten Sitzungen zu erarbeiten, was eine gelungene Präsentation über inhaltliche Aspekte hinaus kennzeichnet. Dies kann einerseits durch die Lehrenden hierarchisch vorgenommen, andererseits aber auch von den Studierenden in Abstimmung mit den Lehrenden z. B. in Form eines Kriterienkataloges erarbeitet werden. Geben die Lehrenden Bewertungskriterien hierarchisch vor, erscheint es sinnvoll, dass sie anfangs eine Beispielpräsentation halten, um ihre Leitungskompetenz zu unterstreichen und bereits Gedankenanstöße durch ein gutes Beispiel zu geben. Die Studierenden sollten ihrerseits im Vorfeld eines Vortrags ein Konzept ihrer mündlichen Präsentation einreichen, welches die Zustimmung der Lehrenden erhalten muss. In den konkreten Sitzungen fällt den Lehrenden die Aufgabe zu, das Zeitmanagement zu überwachen. Neben einer inhaltlichen Reflexion sollte ebenso ausreichend Zeit bleiben, die mündliche Präsentation im Plenum anhand der zuvor aufgestellten Kriterien methodisch zu reflektieren.

Vorteile

Die klaren Vorabsprachen zwischen Lehrperson und Studierenden und die Orientierung am Kriterienkatalog erhöhen die Vortragsqualität und die nachhaltige Verankerung der vermittelten Inhalte maßgeblich. Sitzungen, in denen die Präsentierenden unvorbereitet sind oder gar fehlen, werden auf ein Minimum begrenzt, da durch die persönlichen Absprachen das Verpflichtungsgefühl steigt. Die Qualität der Sitzungen bzw. der Lehre wird dementsprechend steigen. Darüber hinaus mindert der Kriterienkatalog die Gefahr, dass Präsentierende das Feedback als persönliche (Ab-)Wertung wahrnehmen. Im Idealfall kann der Katalog sogar dazu beitragen, dass Präsentierende Kritik als Anreiz verstehen, ihre Kompetenzen weiter auszubauen. Schließlich stärken gelingende mündliche Präsentationen auch das Vertrauen in die eigenen Kompetenzen und tragen so zur Zufriedenheit der Studierenden bei.

Nachteile

Der Planungs- und Arbeitsaufwand für Lehrende steigt, wenn diese neben den inhaltlichen Kompetenzen das Erlernen von Schlüsselqualifikationen in ihre Lehre integrieren. Zudem besteht die Problematik, dass verschiedene Lehrende unterschiedliche Anforderungen bzw. Erwartungen an mündliche Präsentationen formulieren, was die Studierenden verunsichert. Lehrgebietsübergreifende Workshops zu Techniken des mündlichen Präsentierens stellen allerdings eine Maßnahme dar, diese Problematik abzumildern. Allzu hierarchische Kontrolle können die Präsentierenden schließlich aber auch als entmündigend wahrnehmen, sodass das eigentliche Ziel, die Kompetenzen der Studierenden zu stärken, verfehlt wird.

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Mündliche Präsentationen