Lesekompetenz/Textverständnis fördern: Unterschied zwischen den Versionen

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Grundsätzlich holt die Auseinandersetzung mit Lesetechniken nach, was bislang möglicherweise als Kernkompetenz eines Studierenden vorausgesetzt wurde. Daher muss der Lehrende bereit sein, sich dieser methodisch-technischen Aufgabe zu widmen, auch wenn es sich um eine Lehrveranstaltung handelt, die fachwissenschaftliche Inhalte vermitteln soll (jenseits der Methodenausbildung). Letztlich bedarf es zudem einiger Übung, sich in die Lesesituation eines Lernenden hineinzuversetzen, um abzuschätzen, welcher zeitliche Aufwand bei bestimmten Texten entsteht.
 
Grundsätzlich holt die Auseinandersetzung mit Lesetechniken nach, was bislang möglicherweise als Kernkompetenz eines Studierenden vorausgesetzt wurde. Daher muss der Lehrende bereit sein, sich dieser methodisch-technischen Aufgabe zu widmen, auch wenn es sich um eine Lehrveranstaltung handelt, die fachwissenschaftliche Inhalte vermitteln soll (jenseits der Methodenausbildung). Letztlich bedarf es zudem einiger Übung, sich in die Lesesituation eines Lernenden hineinzuversetzen, um abzuschätzen, welcher zeitliche Aufwand bei bestimmten Texten entsteht.
 
  
 
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Die intensive Auseinandersetzung mit den Lesekompetenzen der Studierenden führt idealerweise dazu, dass durch besseres Leseverständnis und umfassende Textarbeit zur Lehrveranstaltung a) Inhalte mit bleibendem Effekt vermittelt werden können und b) die Qualität der Diskussionen in der Lehrveranstaltung steigt. Gleichzeitig schärft die Rückkopplung mit den Leseerfahrungen der TeilnehmerInnen die Fähigkeit der Lehrenden, geeignete Texte für Lerngruppen auszuwählen, bei „sperrigen“, schwierig verständlichen Texten Lesehilfen zu entwickeln oder mehr Zeit zum Lesen einzuplanen.
 
Die intensive Auseinandersetzung mit den Lesekompetenzen der Studierenden führt idealerweise dazu, dass durch besseres Leseverständnis und umfassende Textarbeit zur Lehrveranstaltung a) Inhalte mit bleibendem Effekt vermittelt werden können und b) die Qualität der Diskussionen in der Lehrveranstaltung steigt. Gleichzeitig schärft die Rückkopplung mit den Leseerfahrungen der TeilnehmerInnen die Fähigkeit der Lehrenden, geeignete Texte für Lerngruppen auszuwählen, bei „sperrigen“, schwierig verständlichen Texten Lesehilfen zu entwickeln oder mehr Zeit zum Lesen einzuplanen.
 
  
 
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Aktuelle Version vom 16. März 2017, 17:27 Uhr

Autorin: Dr. Kathrin Loer (kathrin.loer@fernuni-hagen.de)

Kontext

Das politikwissenschaftliche Studium lebt von fachlicher Textlektüre. Die fachwissenschaftliche Diskussion, an der sich Studierende mündlich und schriftlich rege beteiligen sollen, unterscheidet sich von alltäglichen (politischen) Diskussionen: Die fachwissenschaftliche Diskussion stützt sich auf theoretische und empirische Forschung, die in Texten erschlossen werden muss. Sie stützt sich nicht auf Zeitungslektüre oder das Verfolgen von Nachrichten über unterschiedliche Medien und Kanäle. Dies kann eine Ergänzung sein, um das alltägliche politische Geschehen zu verfolgen, im Mittelpunkt steht jedoch die Lektüre von Fachtexten. Das Verständnis politikwissenschaftlicher Themen und Fragestellungen setzt daher voraus, dass sich Studierende ein breites Spektrum an Fachtexten als Grundlage erarbeiten und sich mit diesen und mit weiterführenden Texten kritisch auseinandersetzen.

Problem

In der politikwissenschaftlichen Hochschullehre kommt es allerdings immer wieder zu der Differenz zwischen Erwartungen der Lehrenden, die das Studium bestimmter Texte voraussetzen, und dem tatsächlich Leseverhalten der Studierenden. Wenn das gewünschte und benötigte Textverständnis fehlt, kann dies daran liegen, dass die Studierenden nicht über die passenden individuellen Strategien verfügen, um die vorgegebenen Textmengen zu bewältigen. Das verminderte oder fehlende Textverständnis kann aber auch darauf zurückzuführen sein, dass die Textauswahl und/oder Textmenge für die Lerngruppe nicht geeignet ist. In Lehrevaluationen heißt es häufig „Die Texte sind zu lang“ oder „Literatur teilweise sehr lang“ oder „Die Texte sind schwierig“ – für diese Rückmeldung können beide Probleme (fehlende Lesetechnik, Überforderung durch Textauswahl) eine Rolle spielen. Die beiden dargestellten Probleme bedingen sich also gegenseitig: Wenn die Lesetechniken fehlen, wird die Textmenge schnell als zu umfangreich eingestuft. Allerdings kann auch bei guter Lese- und Textverarbeitungsfähigkeit das Textvolumen zu groß sein. Studierende, zumal an einer Fernuniversität, haben für ihre unterschiedlichen Aufgaben im Studium nur ein begrenztes Zeitbudget zur Verfügung. Je nachdem, wie trainiert sie im Umgang mit größeren Textmengen und anspruchsvoller Fachlektüre sind, unterscheidet sich auch die Zeit, die sie für die Lektüre benötigen. Daher ergibt sich eine hohe Varianz an notwendigen Arbeitsstunden, die individuell für die Textlektüre anfallen. Ähnlich heterogen und einflussreich sind auch Vorerfahrungen mit Fachtexten und die Vertrautheit der Studierenden mit dem Thema. Davon hängt ab, wie schnell ein Text gelesen wird, wie hoch die Gefahr der Ablenkung oder des Abbruchs ist, wie viel der oder die Lesende versteht und wie gut er oder sie die wesentlichen Inhalte eigenständig wiedergeben kann.

Lösung

Lehrende sollten davon ausgehen, dass bei der Bearbeitung von Fachlektüre verschiedene Probleme auftreten. In den meisten Lerngruppen bietet es sich daher an, auf das Problem des Lesens von Fachtexten explizit zu Beginn der Veranstaltung einzugehen. Dabei sollte es zum einen um die Vermittlung geeigneter Lesetechniken gehen, zum anderen spielt die Auswahl von Texten eine wichtige Rolle. Empfehlenswert ist grundsätzlich, den Lektüreplan sorgfältig zu gestalten und eine Textauswahl zu treffen, die möglichst mit den zu erwartenden Fähigkeiten der Studierenden im Einklang ist. Sollte es Schwierigkeiten bereiten, den Fähigkeitsstand zu ermitteln, bietet sich das folgende Vorgehen an: Im Vorfeld der Lehrveranstaltung sollen die Studierenden einen bestimmten Text oder Textauszug lesen, dazu eine kleine Aufgabe zum Textverständnis bearbeiten und die benötigte Zeit angeben. Zu Beginn des Semester kann diese Rückmeldung dann aufgegriffen und bei der Planung berücksichtigt werden: Welche Leseaufgaben sind realistisch und welche Lesetechniken können hilfreich sein? Den Studierenden kann auf diese Weise auch verdeutlich werden, welches Lesepensum zu erwarten ist.

Stolpersteine

Grundsätzlich holt die Auseinandersetzung mit Lesetechniken nach, was bislang möglicherweise als Kernkompetenz eines Studierenden vorausgesetzt wurde. Daher muss der Lehrende bereit sein, sich dieser methodisch-technischen Aufgabe zu widmen, auch wenn es sich um eine Lehrveranstaltung handelt, die fachwissenschaftliche Inhalte vermitteln soll (jenseits der Methodenausbildung). Letztlich bedarf es zudem einiger Übung, sich in die Lesesituation eines Lernenden hineinzuversetzen, um abzuschätzen, welcher zeitliche Aufwand bei bestimmten Texten entsteht.

Vorteile

Die intensive Auseinandersetzung mit den Lesekompetenzen der Studierenden führt idealerweise dazu, dass durch besseres Leseverständnis und umfassende Textarbeit zur Lehrveranstaltung a) Inhalte mit bleibendem Effekt vermittelt werden können und b) die Qualität der Diskussionen in der Lehrveranstaltung steigt. Gleichzeitig schärft die Rückkopplung mit den Leseerfahrungen der TeilnehmerInnen die Fähigkeit der Lehrenden, geeignete Texte für Lerngruppen auszuwählen, bei „sperrigen“, schwierig verständlichen Texten Lesehilfen zu entwickeln oder mehr Zeit zum Lesen einzuplanen.

Nachteile

Die Lehrperson muss bereit sein, sich in die Situation der Studierenden hineinzuversetzen und davon ausgehend den Zeitbedarf einzuschätzen. Die Vermittlung von Lesetechniken in der Lehrveranstaltung raubt zudem Zeit, die ansonsten für die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema zur Verfügung stünde. Zudem trifft sie möglicherweise auf so unterschiedliche Bedürfnisse der Lernenden, dass einige unterfordert sein könnten. Die eingehende Planung eines Lesepakets mit unterschiedlichen Leseaufgabenerhöht zudem den Vorbereitungsaufwand.

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