Planspiele

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Autorin: Sara Becker (sara.becker@fernuni-hagen.de)

Inhalt der Methode

In Planspielen simulieren Studierende eine Praxissituation. Es gibt unterschiedliche Formen der konkreten Ausgestaltung dieses didaktischen Instruments. Im Folgenden wird die Methode so dargestellt, wie sie beim Interdisziplinären Fernstudium Umweltwissenschaften (infernum) im Rahmen von Präsenzseminaren und mehrtägigen Workshops zum Einsatz gelangt. Bei infernum werden im Rahmen von Planspielen z.B. komplexe politische Prozesse nachgespielt – vom Bau einer Biokraftanlage mit lokaler Stakeholderbeteiligung bis hin zu den internationalen Klimaverhandlungen.

Ablauf der Methode

Das Planspiel beginnt mit einer Einführungsphase (Phase 1), in der die einzunehmenden Rollen vorgestellt, Gruppen gebildet, Verständnisfragen geklärt und die Informations- und Lesephase (Phase 2) eingeleitet werden. In der Informations- und Lesephase müssen sich die Studierenden in ihre Rollen einarbeiten. Dafür sollte die Lehrperson einerseits Literatur, Links, Infomaterial etc. zur Verfügung stellen, andererseits sollten die Studierenden jedoch auch selbst aufgefordert werden, eine zusätzliche eigene Recherche durchzuführen. Die Informations- und Lesephase mündet in die Positionsfindungs- und Strategieplanungsphase (Phase 3). In dieser Phase entwerfen die Gruppen eine Verhandlungsstrategie und diskutieren Handlungsoptionen. Darüber hinaus entwickeln die Gruppen in dieser Phase eine Eingangsrede, die sie im Eröffnungsplenum des eigentlichen Planspiels halten. Die Rede verlangt von den Studierenden, die Position ihrer Rolle (z.B. einer Verhandlungsdelegation in den Klimaverhandlungen) intensiv zu verinnerlichen, wesentliche Argumentationsmuster zu identifizieren und diese in der typischen Rhetorik eines Verhandlungssettings zu präsentieren. Im Präsenzseminar wird die Spielphase (Phase 4) durchgeführt. Die Spielleitenden e (normalerweise: die Lehrpersonen) führen in die Situation ein und bitten die Gruppen um ihre Eingangsrede. Im Anschluss an die Statements interagieren die Gruppen miteinander (Führen von Verhandlungen, „Hinterzimmergesprächen“, Versenden von Briefen mit Kompromissvorschlägen etc.)und loten ihre Handlungsoptionen aus. In der Abschluss- und Abstimmungsphase (Phase 5) werden die Ergebnisse zusammengetragen und ein Kompromissvorschlag entwickelt, über den abgestimmt wird. Die Spielleitenden fungieren in dieser Phase als Konferenzvorsitzende. In der Spielauswertung (Phase 6) reflektieren die Studierenden den Spielverlauf, den individuellen Lernprozess und das erzielte Ergebnis. Die Lehrpersonen moderieren (und ggf. kommentieren) den Reflexionsprozess.

Stolpersteine

Neben der guten Vorbereitung des Spielgeschehens lebt die Methode von einem geeigneten und möglichst aktuellen Fallbeispiel und einem möglichst hohen Realitätsbezug, der je nach Thematik z.B. durch Materialien wie Tischnamenskarten, Länderfahnen, Richterhammer o.ä. unterstützt werden kann.

Vorteile

Die Studierenden bekommen einen realistischen Einblick in praktische Situationen und das komplexe Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure. Planspiele ermöglichen Probehandeln und das Treffen von Entscheidungen, die zwar „nur“ gespielt sind und daher ohne größeren Schaden für beteiligte Personen bleiben, deren Konsequenzen in der Simulation jedoch durchaus wahrzunehmen sind. Wie die lernergebnisorientierten Evaluationen bei infernum zeigen, fördern Planspiele eine tiefe Verinnerlichung von Sachwissen, ein besseres Verständnis von Zusammenhängen und den Erwerb von Schlüsselqualifikationen wie bessere Rhetorik, Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit, Kreativität und Flexibilität.

Nachteile

Die Planspielmethode erfordert eine intensive Vorbereitung seitens der Lehrpersonen und der Studierenden. Für das Planspiel gilt – tendenziell stärker als bei anderen didaktischen Instrumenten – dass die gute Vorbereitung darüber entscheidet, ob das Seminar über- oder unterdurchschnittlich erfolgreich ist.

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